Igel gefunden – was nun?

Normalerweise halten Igel in den kalten Monaten Winterschlaf. Ab einer konstanten Temperatur von etwa 6 Grad suchen sie sich ein geeignetes Winterquartier und verschlafen die ungemütliche Jahreszeit dort bis in den Frühling hinein. Um das durchzuhalten, müssen sie sich vorher ein großes Fettpolster anfuttern, von dem sie in der Zeit leben können.
Manchmal geht dabei jedoch etwas schief und man sieht im späten Herbst oder im Winter einen Igel durch den Garten laufen. Wir verraten euch, was ihr in dem Fall tun könnt.

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Sabine-Susann Singler / pixelio.de

Helfen oder lieber in Ruhe lassen?

Wenn ihr im Winter einen Igel herumlaufen seht, solltet ihr erst einmal genau hinschauen. Manchmal handelt es sich nur um einen erwachsenen, gesunden Igel, der aus irgendwelchen Gründen aus seinem Winterschlafquartier vertrieben wurde. Vielleicht wurde er von einem Hund, einer Katze oder einem anderen Tier aufgeschreckt, vielleicht hat aber auch irgendein ordnungsliebender Zeitgenosse beschlossen, die letzten Laub- und Reisighaufen in seinem Garten zu beseitigen und damit das Schlafzimmer des Igels zerstört. In diesen Fällen müsst ihr nichts weiter tun, der Igel wird sich schnellstmöglich ein neues Quartier suchen und friedlich weiter schlafen. Helfen könnt ihr, indem ihr rechtzeitig Winterquartiere für Igel einrichtet, wie das geht erklären wir euch nächste Woche.
Manchmal handelt es sich aber auch wirklich um einen Igel, der in Not geraten ist. in dem Fall solltet ihr dem Tier helfen, denn es wird allein nicht überleben können. Ist auf den ersten Blick zu sehen, dass der Igel sehr klein und/oder mager ist, braucht er auf jeden Fall Hilfe. Um Winterschlaf halten zu können, muss ein Igel ein Gewicht von mindestens 600 bis 700 Gramm haben. Im Zweifelsfall könnt ihr den Igel mit einer Küchenwaage wiegen. Da Igel wahre Floh- und Zeckentaxis sind, solltet ihr das aber besser nicht in der Küche, sondern im Garten machen.
Ist der Igel zu klein und zu leicht, solltet ihr ihn als erste Maßnahme in einen Karton setzen und ihn mit ins Warme nehmen. Da er sowieso schon wach ist, braucht er keine kalten Temperaturen zum Überwintern, sondern Wärme, damit er nicht noch mehr Energie verbraucht.
Danach macht ihr euch am besten auf die Suche nach einer Igelhilfe oder einer Wildtierhilfe in eurer Nähe, bei der ihr den Igel abgeben könnt.
Bei der Igelhilfe Pro-Igel findet ihr ein deutschlandweites Adressverzeichnis nach Postleitzahlen geordnet und auch Tierärzte wissen oft Bescheid, wo sich regional solche Hilfsstationen befinden.
Der Tierarzt sollte auch eure erste Anlaufstelle sein, wenn der Igel verletzt ist. Nicht alle, aber viele Tierärzte behandeln Wildtiere kostenlos.
Könnt ihr den Igel nicht sofort an eine erfahrene Igelhilfe oder eine Wildtierauffangstation weitergeben, müsst ihr ihm für die Zwischenzeit ein Übergangsquartier einrichten. Den Gedanken, den putzigen kleinen Igel selbst über den Winter zu bringen, solltet ihr besser gleich vergessen, denn das ist viel Arbeit und geht ohne die notwendige Erfahrung meist schief. Für ein paar Tage werdet ihr ihm aber eine wertvolle Hilfe leisten können.
Als Notquartier eignet sich ein großer Karton, der mindestens 50 cm hoch sein sollte, sonst ist es für den Igel nämlich ein leichtes, dort herauszuklettern. Als Wildtier weiß er nicht, dass ihr ihm nur helfen wollt und er wird daher eher versuchen zu flüchten und sich in einer dunklen Ecke zu verstecken. Um ihm keinen unnötigen Stress zu bereiten, solltet ihr ihn daher auch so wenig wie möglich anfassen.
In den Karton stellt ihr einen weiteren, kleinen Karton, den ihr mit Zeitungspapier füllt und mit einem Einschlupfloch verseht.
Zum Essen könnt ihr ihm etwas Katzen-oder Hundefutter mit Haferflocken vermischt, hartgekochtes Ei oder gekochtes Geflügelfleisch anbieten. Von Obst, Gemüse, Milchprodukten und Nüssen bekommen Igel Durchfall. Stellt noch eine Schale mit frischem Wasser dazu und fertig ist euer Igel-Notquartier.
Den Karton solltet ihr in einem ruhigen Raum mit normaler Zimmertemperatur aufstellen und den Igel dann schnellstmöglich an eine Igelhilfe weitergeben.

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